RÜCKBLICK 2016: OPER "MAX & MORITZ - sieben lustige Streiche"
OPER für Kinder & Orchester

Libretto:   Walter Hohenauer
Komposition:   Christian Spitzenstätter
Gesamtleitung:   Maria Knoll-Madersbacher
Künstlerische Leitung:   Mag. Johannes Puchleitner
Musikalische Leitung:   Christian Spitzenstaetter
Inszenierung:   Norbert Mladek 
Bühnenbild & Regie:    Norbert Mladek
Kostümbild:   Karin Waltenberger
   

(unterstützt durch die Kostümmanufakturder Tiroler Festspiele Erl - Lenka Radecky)

Orchester:    KompArt 
Choreinstudierung:   Irmgard Wollrab
Korrepetition:   Florian Reider
Regieassistenz:   Anna-Lena Wollrab
Beleuchtungstechnik:   Alexander Schrattenthaler



DAS PROJEKT - DIE OPER 2016

MAX & MORITZ - SIEBEN STREICHE - GRANDIOSE AUFFÜHRUNGEN

Mit der Kinderoper „Das Dschungelbuch“ von und mit Kindern nach Rudyard Kipling und der Musik von Franz Baur gelang der Academia Vocalis 2008/2009 und der letztjährigen Kinderoper „Max & Moritz - 7 Streiche“ (Musik: Christian Spitzenstätter) ein Sensationserfolg: alle Veranstaltungen waren ausverkauft und die kleinen Darsteller aus ganz Tirol zwischen 5 und 16 Jahren reüssierten bei allen Vorstellungen gekonnt und überaus professionell, mit einer Bühnenpräsenz, die ihres gleichen sucht!

Aufbauend auf den wunderbaren Erfahrungen und den großen Erfolgen bei der Arbeit mit den „Nachwuchs-Mimen“ der beeindruckend erfolgreichen Kinderopernprojekte „Das tapfere Schneiderlein“ von Edgar Seipenbusch 2003 und „Das Dschungelbuch“ von Franz Baur 2008 und 2009 führte die Projektleiterin der Kinderoper und langjähriges Vorstandmitglied der Academia Vocalis – Maria Knoll Madersbacher – die wertvolle Nachwuchspflege für die Region weiter fort und produzierte 2016 eine neue Kinderoper - "MAX & MORITZ - sieben lustige Streiche" nach Wilhelm Busch (3. Produktion im Rahmen der Academia Vocalis). Der dritte Streich mit Schneidermeister Böck spielte angeblich in Wörgl. Das war Anlass genug, die neue Kinderoper in Angriff zu nehmen. Das Libretto war bereits geschrieben vom talentierten, Wörgler Jungautor Walter Hohenauer, die Komposition wurde umgesetzt durch den begabten Musiker, Komponisten und ebenfalls Wörgler Christian Spitzenstätter.

Die Probenarbeit im Opernworkshop für Kinder und Jugendliche 2015 war der Auftakt, die auf dem Lausbubenstreich von Max und Moritz von Wilhelm Busch mit dem Wörgler Schneidermeister Jakob Pichler (in der Busch Veröffentlichung von 1864 Schneider Böck) gründet. Mit von der lustigen „Partie" sind auch die Wörgler Bruggnhocker, die – man kann es sich bildlich vorstellen – möglicherweise die Ideengeber für die Lausbubenstreiche bei einem oder mehreren Wörgl Aufenthalten von Wilhelm Busch waren.

Ein Hoch auf die Darsteller, die zu Jungstars reüssierten!

2016 ging dann alles sehr schnell: Die Bühne – die Bruggnhocker Brücke wurde gebaut und die Jungsänger probten Juli und August 2016 fast jeden Tag im Veranstaltungszentrum Komma. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass dies alles nicht möglich gewesen wäre, hätte die Produktion und die Academia einen nicht so großen Rückhalt durch die Eltern der Jungdarsteller gehabt! Danke noch einmal dafür! Die Kostüme wurden geschneidert, anprobiert, die Maske ebenso dazu passend adaptiert. Spätestens in den Haupt- und der Generalprobe wurde klar: das wird eine Mega Produktion. Und so war es auch: vor dem ausverkauften VZ Komma und einem erlesenen Premierenpublikum reüssierten die Jungdarsteller und -schauspieler zu absoluten Profis und Lacher waren mit den Hühnern und unserem unvergleichlichem Spitz garantiert! Die Beleuchtung der Bruggnhockerbrücke war beeindruckend und professionell, die Leistungen der Kinder und Jugendlichen grandios! Nicht zu vergessen die umsichtige und auffangende Art des Dirigenten Christian Spitzenstätter, der es verstand, die Kinder zu animieren und führen. Das Orchester, allesamt junge Musiker und Mitglieder von KompArt spielten sich in die Herzen der Zuseher. Alleine 8 Vorstellungen wurden im VZ Komma in Wörgl absolviert, alle vor ausverkauftem Haus. Bevor die Aufbauten und Proben im Tiroler Festspielhaus in Erl begannen, gab es eine 1-wöchige Verschnaufpause.

Die Abendvorstellung und Matinée im Tiroler Festspielhaus in Erl waren wiederum eine andere Dimension des Theaters, schon alleine durch die Größe des Hauses und der Bühne. An diesen beiden Vorstellungen schlugen sich die Darsteller allesamt selbst hinsichtlich gesanglicher Virtuosität und liefen zu schauspielerischen Höchstleistungen auf. Das hatte nicht nur mit den bereits gelungenen Vorstellungen in Wörgl zu tun, vielmehr animierte das Festspielhaus selbst.

Alles in allem: wiederum eine grandiose und mehr als gelungene Kinderoper 2016!

DIE IDEE zur neuen KINDEROPER lieferte Wilhelm Busch selbst durch seine Besuche in Wörgl

Hans Gwiggner, Wörgler Stadtarchivar recherchierte für die Academia Vocalis einige Fakten, auf deren Basis und Idee sich die Verantwortlichen auf die neue, speziell auf Wörgl abgestimmte Kinderoper einigten. Folgende Begebenheiten in Wörgl rund um den Lausbubenstreich von Max & Moritz und Schneidermeister Böck wurden von Hans Gwiggner recherchiert und zur Verfügung gestellt:

Prof. Hans Hömberg gab 1964 das Büchlein „Grüß Gott in Tirol!“ in der Forum Verlag GesmbH, Wien heraus und darin vermerkt er auf Seite 36, dass Wilhelm Busch in Wörgl war und hier Anregungen für seine Gedichte und Zeichnungen sammelte. Aber auch noch auf anderen Wegen ist Wörgl in die Literatur eingegangen. Wilhelm Busch hat hier die Anregung zum dritten Streich seiner Bubengeschichte „Max und Moritz“ empfangen. In Wörgl gab es einen namhaften Kleiderfertiger mit Namen Böck. Und auch vor dieses Meisters Haus floss ein Wasser mit Gebraus. Übers Wasser führt ein Steg und darüber geht der Weg. Es handelte sich um die berühmte Wörgler Ache. Zum ersten Mal hat Wilhelm Busch Wörgl im Geleitzug von Mitgliedern der Münchener Künstlersodalität „Jung München“ kennen gelernt. Als dann, vor etwa hundert Jahren die erste Veröffentlichung der „Bubenstreiche“ geplant wurde, weilte er abermals in Tirol, diesmal mit seinem Freund Krempelsetzer, der sich wegen seines unhandlichen Namens als Komponist aus „Mozart“ und „Beethoven“ das schöne Pseudonym „Mozhoven“ zulegte. Aus der Vertonung von Max und Moritz ist nichts geworden. Aber immer, wenn einer der beiden Freunde Wörgl besuchte, machten sie den Umweg zur brausenden Ache und dachten an den Schneidermeister Böck, der inzwischen Weltruhm erlangt hat.

Der Berliner Schriftsteller Hans Hömberg kam 1945 in den Bezirk Kufstein und hatte fortan vielerlei Kontakte zu den Literaten in Österreich und Deutschland. Als humorvoller Autor hat er sich bestimmt sehr gefreut, dass sein engerer Landsmann Wilhelm Busch aus den hannoveranischen Landen in München Fuß gefasst hat und hier seine Talente zur Blüte brachte.

In München entdeckt Hömberg die Wörgler Reise von Busch und deren praktische Folgen. Allzu glatt erschien mir diese Geschichte, dass Busch ausgerechnet in Wörgl den Schneider Böck trifft, in dem Dorf, das später Heimat von Hans Hömberg wurde. Doch später, als mir 1920 der Schneidermeister Franz Böck, wohnhaft in der Friedhofstraße 2, in Gemeindedokumenten begegnete, war der Zweifel beseitigt, doch ein anderer begann.

Die Bubengeschichte wurde 1865 erstmals veröffentlicht und demnach musste Wilhelm Busch spätestens1864 in Wörgl den Schneider getroffen haben. Dieser war aber zu dieser Zeit erst 12 Jahre alt, konnte bestenfalls als Schneiderlehrling in Frage kommen. Die Lösung der Frage besteht wohl darin, dass Busch den Namen des eventuellen Lehrlings gebrauchte, aber seinen Meister meinte, den Schneidermeister Jakob Pichler. Dieser heiratete als Sohn des Barthlmä Pichler und der Ursula Resinger in Prägraten i. O. am 7.8.1823 die Anna Gasser, Tochter des Silvester Gasser und der Maria Simperl. Er wohnte im sogenannten Radmacherhaus, heute Wildschönauerstraße 3. Dem Ehepaar Pichler, als Zieheltern des Kindes Maria Laimböck. Wahrscheinlich hat Wilhelm Busch bei seinen Streifzügen durch das Doppeldorf Wörgl an den Abenden die jungen Burschen auf dem Brückengeländer bei der Spieglbrücke erlebt, wie sie Passanten neckten, darunter den schon älteren Schneidermeister Böck, der vermutlich seinen Osttiroler Dialekt beibehalten hatte. Und der Steg beim ehemaligen Radmacherhaus (Dreifaltigkeitshaus) bestand sicher schon seit Jahrhunderten, war vielleicht schon verfault, doch jetzt besteht er aus Metall und ist sicher. Die Wörgler Bruggenhocker waren also allem Anschein die Verursacher der dritten Lausbubengeschichte, auch wenn diese anderswo stattgefunden haben sollte.

Der Münchner Komponist Kremplsetzer besuchte die Schlossherrin von Itter, die berühmte Münchner Pianistin Sophie Menter, und war wohl auch der Übersetzer für seinen Freund Busch, wenn dieser so manches Wort das aus Wörgler Mund kam, ganz einfach nicht verstand.

 

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